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21.07.2020 Erbrecht - Original-Testament verloren. Reicht eine Fotokopie des Testaments aus, um die Erbenstellung nachzuweisen?

Wie muss ein Testament errichtet werden, damit es wirksam ist?

Ein wirksames Testament kann man in zwei Formen errichten:

• Einmal als handschriftliches (eigenhändiges) Testament),
• zum anderen unter Einbeziehung eines Notars als öffentliches (notarielles) Testament.

Das handschriftliche Testament kann ohne Einschaltung eines Notars oder irgendwelcher Urkundsbehörden oder Stellen errichtet werden. Nach § 2247 Abs. 1 BGB ist es nur notwendig, dass es "eigenhändig geschrieben und unterschrieben" ist. Das bedeutet, dass es mit Hand geschrieben und mit Vor- und Familiennamen unterschrieben wird. Empfehlenswert ist auch, in dem Testament zu schreiben, wann und an welchem Ort das Testament errichtet worden ist. Notwendig ist dies jedoch nicht.
Bei einem handschriftlichen Testament ist es ratsam, das Testament in amtliche Verwahrung beim Nachlassgericht zu geben. Hierfür fallen Kosten an. Die Verwahrung eines Testaments beim Nachlassgericht kostet einmalig und pauschal 75,00 Euro. Das Testament wird dann auch im Zentralen Testamentsregister der Bundesnotarkammer erfasst. Dies kostet weitere 18 Euro, so dass insgesamt Kosten in Höhe von 93 Euro für die Verwahrung des Testaments anfallen.

Es stellt sich jedoch die Frage, was passiert, wenn kein handschriftliches Originaltestament mehr aufgefunden werden kann. Kann aufgrund einer Fotokopie des Testaments ein Erbschein erteilt werden? Das Hamburger Oberlandesgericht hat im heute dargestellten Fall, nochmals die Voraussetzungen definiert.

Zum Fall:

Die (vermeintlichen) Erben konnten nur eine Fotokopie eines handschriftlichen Testaments vorlegen und wollten auf dieser Basis einen Erbschein erteilt bekommen. Das Originaltestament war nicht mehr auffindbar.

Antragsteller des Erbscheins muss beweisen, dass ein formwirksames Testament errichtet wurde

Wer einen Erbschein ausgestellt haben will, muss beweisen, dass ein formwirksames Testament errichtet wurde. Bestehen Zweifel an der Gültigkeit des Testaments, die sich nicht aufklären lassen, geht dies zu Lasten des Antragstellers mit der Folge, dass der Antrag auf Erteilung eines Erbscheins abgewiesen werden wird. Klarzustellten ist jedoch, dass die Tatsache, dass ein Testament im Original nicht aufgefunden werden kann, nicht dazu führt, dass das Testament per se „nicht mehr gilt“. Für die Wirksamkeit des Testaments kommt es nicht auf den Fortbestand des originalen eigenhändig geschriebenen Schriftstücks an: Ein Testament, das ohne den Willen des Erblassers verlogen gegangen, vernichtet oder aus sonstigen Gründen nicht auffindbar ist, bleibt gültig. Die Errichtung und der Inhalt des Testamentes müssen jedoch vom vermeintlichen Erben bewiesen werden. Dabei kann auf Zeugen und auf die Fotokopie des Originaltestaments zurückgegriffen werden. Der Erbe muss dabei beweisen, dass der Erblasser das verlorene Testament persönlich mit der Hand geschrieben und unterschrieben hat. Das OLG Hamburg stellte klar:

• Aus einer vorgelegten Testamentskopie kann ein Erbrecht nicht hergeleitet werden. Stattdessen sind in diesem Fall strenge Anforderungen an den Nachweis der Existenz eines entsprechenden Originals zu stellen.
• Eine Kopie des Originaltestamentes kann als Nachweis aber ausreichen, wenn anhand der Kopie die formgerechte Errichtung des Originaltestamentes nachgewiesen werden kann.
• Im Fall der Unauffindbarkeit eines Testamentes besteht keine Vermutung dafür, dass es vom Erblasser selbst vernichtet worden wäre und deshalb gem. § 2255 BGB als widerrufen anzusehen ist.

Im heute besprochen Fall sah das Gericht diese Voraussetzungen als erfüllt an. Der Erbschein wurde erteilt.

Dr. Florian Gaibler

Wenn Sie mehr zu den Formerfordernissen einer Testamentserstellung oder generell zum Erbrecht erfahren möchten, dürfen wir Sie gerne auf unseren ausführlichen Fragen und Antwort-Bereich verweisen.

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